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Hommage für Mohandas Karamchand Gandhi

Der indische Asket Mohandas Karamchand Gandhi, genannt Mahatma, kämpfte für Selbstregierung und Befreiung von der britischen Herrschaft nach dem Prinzip der Gewaltlosigkeit durch passiven Widerstand. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sein Streben Erfolg - allerdings um den Preis der Einheit Indiens. Gandhi fiel 1948 dem Mordanschlag eines fanatischen Hindu zum Opfer
.

Der junge indische Rechtsanwalt Mohandas Karamchand Gandhi aus Bombay, der 1893 in der südafrikanischen Hafenstadt Durban eintraf, wollte im Auftrag eines seiner vermögenden Mandanten einen Rechtsstreit erfolgreich zu Ende führen. Er war europäisch gekleidet, hatte in London studiert und dort auch seine Examen abgelegt.

Gandhi, der eigentlich sofort nach Erledigung seines Vorhabens in die Heimat zurückkehren wollte, verschrieb sich bald einer anderen Mission: er wurde zu einem Anwalt des Rechtes der Unterdrückten und Diskriminierten. Einundzwanzig Jahre kämpfte er mit Mitteln der Gewaltlosigkeit für dieses Ziel in Südafrika und vierunddreißig Jahre in Indien. Sein Volk gab ihm den Ehrennamen »Mahatma«, was »große Seele« bedeutet.

Gandhi stammte aus einer angesehenen Hindufamille und wurde am 2. Oktober 1869 in der Hafenstadt Porbandar an der Westküste Indiens geboren, die zu dem gleichnamigen Fürstentum gehörte, das - wie über 500 andere indische Fürstenstaaten - der englischen Kolonialverwaltung unterstand. Sieben Jahre nach Gandhis Geburt war die indische Kolonie zum Kaiserreich unter der britischen Krone proklamiert worden und zählte mehr Menschen als der gesamte europäische Kontinent. Unter einer dünnen und oft sagenhaft reichen Oberschicht lebte die Masse des 'Volkes in unsäglicher Armut. Über vier Millionen Inder versuchten in anderen Teilen der Welt ihr Leben zu fristen; in Südafrika waren es allein an die 500’000.

Unablässig bemühte sich Gandhi um Rechtsgleichheit für seine Landsleute. Dabei wurde aus dem vornehmen Rechtsanwalt bald ein unerbittlicher Volksführer. Er entwickelte neue und ungewöhnliche Kampfmethoden, die in dem gewaltlosen Widerstand der Unterdrückten gipfelten. Dem Mahatma, wie er schon damals genannt wurde, gelang es, viele seiner Forderungen im Interesse der diskriminierten Landsleute durchzusetzen. 1915 kehrte er endgültig in seine Heimat zurück.

Gandhi betrachtete sich niemals als ein Feind Englands. Im Ersten Weltkrieg war es deshalb für ihn selbstverständlich, sich für die Sache des Britischen Empire einzusetzen. Andererseits erwartete er aber auch, daß England dies honorieren und Indien nach dem Kriege als gleichberechtigten Partner anerkennen würde. Als die englische Regierung 1919 die versprochene Selbstregierung nicht verwirklichte und weitgehend zur alten Kolonialpolitik zurückkehrte, erklärte der enttäuschte Gandhi die Unabhängigkeit seines Landes zum unabdingbaren Ziel des indischen Freiheitskampfes.

Der Weg zu diesem Ziel war weit und dornig. Mitunter kam es gegen Gandhis Willen zu Unruhen und als Reaktion darauf zu blutigen Zusammenstößen mit dem Militär. Obwohl in den eigenen Reihen Stimmen laut wurden, die radikale Gegenmaßnahmen forderten, setzte sich der Mahatma mit seiner Taktik durch. Zu den Kampfmethoden, die er mit Erfolg propagierte, gehörten die »Verweigerung der Mitarbeit«, der »zivile Ungehorsam« und die »Arbeit mit dem Spinnrad«. Inder, die bisher in der britischen Verwaltung tätig waren, legten ihre Arbeit nieder. Immer stärker wurde der Boykott englischer Waren. Das Handspinnen und -weben wurde zur Waffe der Unabhängigkeit. Vielerorts verbrannte man demonstrativ die europäische Kleidung und trug selbstgefertigte Gewänder.

In allem ging der Mahatma mit seinem Beispiel voran. Der asketische Mann mit dem weißleinenen Überwurf, der barfuß in einfachen Riemensandalen durch die Lande zog, wurde zum Symbol des Kampfes. Man verhaftete den "halbnackten Fair«, wie ihn Churchill einmal nannte, allein achtmal. Mehr als sechs Jahre brachte er in Gefängnissen zu. Dort wandte er das äußerste Mittel des gewaltlosen Widerstandes an, den Hungerstreik. Tausende seiner Anhänger wurden ebenfalls inhaftiert.

Die aufsehenerregendste Aktion des zivilen Ungehorsams war 1930 der »Marsch zum Meer«, um dort Salz zu gewinnen. Überall an den Küsten folgte man diesem Beispiel und protestierte damit gegen die Salzsteuer.

Gandhis Kampf galt aber nicht allein der Unabhängigkeit seines Volkes, sondern auch dessen innerem Frieden. Hindus und Moslems waren bitter verfeindet und die Hindus dazu in zahlreiche Kasten zersplittert. Fast ein Fünftel aller Inder gehörte zu den Parias, den »Unberührbaren« und Ausgestoßenen. Es gelang dem Mahatma, die Kastengegensätze zu mildern und später durchzusetzen, daß in der neuen indischen Verfassung die Kastenbestimmungen aufgehoben wurden.

Tief bedruckte es ihn aber, daß alle seine Bemühungen um die Einheit des Landes an den Gegensätzen zwischen Hindus und Moslems scheiterten und am 3. Juni I947 durch Großbritannien die Gründung der beiden Staaten Indien und Pakistan proklamiert wurde. Der Tag der Unabhängigkeit am 15. August I947 war deshalb für ihn kein Tag der Freude. »Ich sehe Ströme von Blut«, sagte er. Er nahm kein Amt in dem neuen Staat an und mußte es noch erleben, wie sich Inder und Pakistani in den Grenzprovinzen bekriegten. Noch einmal hungerte er für den Frieden und brachte die feindlichen Brüder an den Verhandlungstisch. Am Januar 1948 wurde er von einem fanatischen Hindu erschossen. Noch im Sterben vergab der Gewaltlose seinem Mörder. Über sich hatte er einmal gesagt: »Ich begehre nichts anderes zu sein als ein einfacher Arbeiter, ein schlichter Diener Indiens und der Menschheit.«